Die Türkei ist seit vielen Jahren für ihre weltweit herausragenden Bedingungen zur Schwarzwildjagd bekannt und gilt als wahres Paradies für Jäger. In den letzten 25 Jahren wurde dieses Land aus mehreren Gründen zu einer absoluten Top-Destination. Sämtliche Wildschweine sind aufgrund islamischer Regeln unberührt – die Türken essen sie schlichtweg nicht, und die türkische Jagdkultur befindet sich historisch auf einem anderen Niveau als unsere. Wussten Sie, dass türkische Jäger nur Schrotflinten besitzen dürfen? Wie Sie sicher anerkennen, lässt sich Schwarzwild im Gebirge mit spärlicher Vegetation mit einer Flinte und Flintenlaufgeschossen nur sehr schwer erlegen. Daher ist das Ausleihen von Repetierbüchsen vor Ort unmöglich, sodass man seine eigene Waffe mitbringen muss. Der geringe Jagddruck führte innerhalb weniger Jahre zu einem enormen Anstieg der Schwarzwildpopulation in diesem Gebiet. Unter ihnen befindet sich eine große Anzahl alter Keiler mit starken Hauen. Deshalb führten auch meine jagdlichen Reisen bereits mehrmals in das Land des Halbmonds – sowohl zu Drückjagden als auch zu Einzeljagden.

Die Keilerjagd in der Türkei ist im Vergleich zur Jagd in der Slowakei sehr spezifisch. Sie erfordert harte Vorbereitung und intensive Anfütterung jener Stellen, an denen später gejagt wird – sei es einzeln bei Nacht oder im Rahmen von Drückjagden am Tag.

Bei der Einzeljagd stehen für einen Jäger 15 bis 20 verschiedene Kirrungen in Gebieten mit hoher Schwarzwilddichte bereit. Gejagt wird am Abend bzw. in der Nacht auf der Pirsch unter Verwendung von Nachttechnik. Der professionelle Guide hat einen genauen Überblick über die Kirrungen, sodass sich die Jagd auf Orte konzentriert, die regelmäßig von starken Keilern besucht werden. Das Wetter hängt von der Jagdzeit ab – gejagt wird im angenehmen Klima von Oktober bis April, wobei die Nachttemperaturen im Frühherbst nicht unter 10 °C sinken, jedoch in den Wintermonaten nachts um –5 °C liegen. Gute, bequeme und leise Schuhe sind unerlässlich. Ein untrennbarer Bestandteil der Nachtjagd ist hochwertige Nachttechnik – sowohl zur Jagd als auch zur Beobachtung. Die Schwarzwildjagd während einer Drückjagd ist jedoch eine ganz andere Geschichte, in der sich die Unterschiede in den Traditionen und im jagdlichen Ansatz voll zeigen. Ihre Besonderheiten, Schönheiten und auch lustigen Momente habe ich beschlossen anhand einer Geschichte meiner jüngsten Reise im Januar 2023 darzustellen:

Mit einem Inlandflug aus Istanbul erreichen wir unser Ziel – die Stadt Konya. Mit der Gepäckausgabe beginnt unser Aufenthalt am Flughafen erst richtig, denn der Import von Büchsen unterliegt strengen Regeln, angefangen bei der Dokumentenkontrolle über Genehmigungen und die Anwesenheit einer lokalen Agentur bis hin zum Zählen der Munition (max. 50 Stück). Nach dem Verlassen des Flughafens erwartete uns eine lange Fahrt Richtung Westen in die kleinere Stadt Beyşehir. Am liebsten wäre ich sofort angekommen gewesen, doch gleichzeitig genoss ich beim Blick aus dem Autofenster die gesamte Szenerie – die einzigartigen türkischen Straßen, den Sonnenuntergang, malerische Dörfer mit Minaretten und endlos weite Landschaften. Diese wunderschöne Umgebung sog ich in mich auf und versuchte, jedes Detail zu erfassen. Häufig zu sehen war das Abbild Atatürks, den die Einheimischen „Vater der Nation“ nennen.

Allgegenwärtig war unser erfahrener Guide, der direkt aus Beyşehir stammt. Dieser Ort am gleichnamigen See ist für uns zentral, da wir hier wohnen und die Jagd in unmittelbarer Nähe stattfinden wird. Mehmed ist ebenfalls ein erfahrener Jäger, kennt das Gelände perfekt und kann das Verhalten des Wildes gut einschätzen. Die Bereiche für die Drückjagd werden sorgfältig ausgewählt, bis zuletzt kontrolliert man, ob genügend Schwarzwild vorhanden ist. Mit Erleichterung atmete ich auf, als wir nach mehreren Stunden endlich im Hotel ankamen, das nur unweit unseres Reviers liegt. Die Türkei verzauberte mich vom ersten Moment an. Die Gastfreundschaft der Einheimischen überraschte mich wirklich – schon im Hotel wurden wir herzlich empfangen.

Die Nacht verbrachten wir im Hotel, denn es war für uns dringend nötig, Kraft für die folgenden drei Jagdtage zu sammeln, an denen ich gemeinsam mit meinem Kollegen Tomáš eine ausländische Gruppe betreute. Der Sonnenaufgang und der allgegenwärtige Ruf des Muezzins bedeuteten für uns nur eines – Zeit zum Aufstehen, Frühstücken und Abfahren. Vor dem Hotel standen die Geländewagen bereit, die Jäger waren eingestiegen, doch die Einheimischen waren nirgends. Wie jeden Morgen hielten sie ihre gemeinsame Besprechung bei einer Zigarette und starkem schwarzen Tee im örtlichen Lokal ab. Nach der Aufteilung auf die Autos erzählte uns Mehmed über das Gebiet, die Jagd, die Pläne und dass es „dumuz“ – so nennen die Einheimischen die Wildschweine – reichlich gebe. Nach kurzer Fahrt erreichten wir das Gebiet des ersten Treibens. Auf einem großen Parkplatz standen bereits die Treiber bereit, denen neben Anweisungen auch Böller, Megafone und Munition für Schreckschusswaffen ausgeteilt wurden. Ja, Sie lesen richtig – in der Türkei wird ein Treiben nicht durch das uns bekannte „Haj haj haaaj“, Jagdhornklänge oder Hundegebell getragen, sondern durch die Geräuschkulisse dieser Ausrüstung. Einige Hunde gab es zwar, aber ein kynologischer Genuss ist es wahrlich nicht.

Die Jäger losten ihre Stände aus und wir stiegen den steilen Hang hinauf. Um uns herum erstreckte sich eine einzigartige Natur. Die türkische Landschaft wird oft als ausgedörrte, felsige Einöde dargestellt. Doch das Gegenteil ist wahr. Wunderschöne grüne Wildnis mit allen Baum- und Pflanzenarten. Es war ein Erlebnis – und wir waren noch gar nicht beim Wesentlichen angelangt: der Jagd. Wir standen vom Fuß bis zum Gipfel des Hangs verteilt, mein Stand war der drittoberste. Als Mitorganisator der Jagdreise nahm ich jenen Stand, der übrig blieb.

Das Treiben begann. Mit Blick auf die umliegende Landschaft genoss ich die Sonnenstrahlen und hörte die Böller, die Sirenen der Megafone und das Hundegebell. Genau dieses wurde immer näher – ein eindeutiges Zeichen. Ich machte mich bereit, hoffend, dass der Hund Schwarzwild trieb. Und so war es: leise schob sich ein einzelner Keiler heran. Ich hielt den Atem an, zielte und schoss. Der Schuss hallte wider, ich hielt weiterhin den Atem vor Spannung. Es blieb still – ein gutes Zeichen. Ich blieb leise stehen, denn wo ein Stück ist, können weitere folgen. Der Hund kam und meldete Erfolg, ebenso mein Kollege Tomáš, der hinunterlief, um das Stück zu überprüfen. Nach seiner Geste breitete sich ein Siegerlächeln auf meinem Gesicht aus. Ein hervorragender Beginn des Tages und der gesamten dreitägigen Jagd – besser hätte ich mir den Auftakt nicht wünschen können. Ein reifer, medalienverdächtiger Keiler mit 23 cm Waffen würde jedem Jäger Freude bereiten. Aus dem Tal hörte man weitere Schüsse – zu meiner Freude als Mitorganisator ein weiterer Grund zum Lächeln. Erster Trieb, erster Keiler, doch ich ahnte nicht, was folgen würde. Da sich das Szenario wiederholte und ich insgesamt drei reife Keiler erlegen konnte, wurde ich bald zum Ziel gutmütiger Scherze, dass ich bei meinem Glück sogar am Parkplatz bleiben könne – es würde ohnehin etwas zu mir kommen.

Vor dem letzten Trieb am letzten Tag zogen wir wie gewohnt die Standnummern – also die ausländischen Gäste. Was im Hut blieb, bekam ich. Ohne meine Nummer anzusehen fragte ich: „Anybody want my number, gentlemen?“ Es folgten nur Kommentare, dass wir ohnehin am Ende seien und ich unmöglich noch mehr Glück haben könne – ich solle also meine Nummer behalten. Ich ging zu meinem Stand mit der Einstellung, heute nicht mehr zu schießen, und nahm eine liegende Position ein, die Büchse ungeladen zur Seite gelegt. Ich spare mir den ausführlichen literarischen Stil der nächsten Stunde und komme zum Punkt: Im letzten Trieb erlegte ich 11 Stück Schwarzwild – in Worten: elf Stück. Ehrlich gesagt tat ich alles, um das Wild zu den benachbarten Schützen zu drücken – mit Schüssen oder indem ich lief und mich der flüchtenden Rotte entgegenstellte. Ohne diese verzweifelten Manöver hätte ich sicher noch deutlich mehr erlegt. Mit gemischten Gefühlen kehrte ich zu den Mitjagenden zurück, die mir schon von Weitem lachend und ungläubig winkten und gratulierten. Drückjagden mit Gentlemen aus Skandinavien haben ihren eigenen Charme. Dies zeigt nur, dass man für eine erfolgreiche Drückjagd nicht nur Jagdglück, sondern auch Schießfertigkeit braucht.

Gern würde ich diesen Erfolg oder das Gesamtergebnis mit einem Foto vom Streckelegen belegen, doch darauf wartet man bei einer türkischen Drückjagd vergeblich. Alle erlegten Stücke bleiben vor Ort – Füchsen, Wölfen oder Kolkraben überlassen. Die Türken essen dieses Fleisch nicht, und das Bergen würde den Ablauf erheblich verlangsamen. Ich erinnere daran, dass täglich drei bis vier Treiben auf riesigem, schwierigem Gelände stattfinden. Die Keilerzähne übernimmt – wie wir scherzhaft sagten – die „Zahnfee“, ein lokaler Spezialist mit Eimer und Axt, der sie zwischen den Treiben auskocht.

Zwischen den Treiben genossen wir gemeinsam die Zeit und tauschten Erlebnisse aus – nicht nur von dieser Jagd. Hungrig waren wir nie – das Essen wurde direkt im Revier auf Holzkohle zubereitet. Die Gerichte waren wirklich schmackhaft und kräftig. Abends besuchten wir lokale Gastronomiebetriebe, wo wir neben echtem Kebab auch traditionellere Speisen wie Baklava oder gegrillte Ziegenhoden probieren konnten. Nun ja – andere Länder, andere Sitten.

Die Jagd in der Türkei ist sehr interessant und wirklich unvergesslich – aufgrund der Gastfreundschaft, des Essens und der einzigartigen Organisation der Jagd selbst. Dieses Erlebnis wird für immer in meiner Erinnerung bleiben – mit einem kräftigen Waidmanns- und Waldheil!

Die Türkei – ein Paradies für die Schwarzwildjagd 

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